Ihr Status:Gast

Der Zebrapinguin

Der Zebrapinguin - Ein Kurzroman

Als die ersten Exemplare des freilaufenden Zebrapinguins erstmals vor wenigen Jahren in einer Waldlichtung in der Nähe von Monte Leone gesichtet wurden, waren führende Wissenschaftler ob dieser bis dahin unbekannten Tierart zunächst irritiert.

Die naheliegende Vermutung, er sei ein Verwandter eines ebenfalls schwimmenden Tieres, welches dem Namen nach zwar aus Entenhausen hätte stammen können, aber nachweislich nicht durch die Kreuzung einer asiatischen Großkatze, deren Vorfahren gelegentlich mit Säbelzähnen ausgestattet waren, abstammt, konnte schnell widerlegt werden.

Auch die biologisch gestützte These, der Vater könne tauchen und die Mutter hätte vier gestreifte Füße, hat sich nicht verifiziert.

Neueste Forschungsergebnisse von Frau Prof. Dr. Sieglinde Mohr-Weiss, eine profilierte Vertreterin animaler Hybride der Eisberguniversität Schollenwalde, konnte als eine der Ersten die Entstehung dieser neuen Tierart wissenschaftlich nachweisen.

Die Erwärmung der Erde in der ersten Dekade des dritten Jahrtausends zwang Kolonien von Königspinguinen vom Südpol gen Norden vorbei an ehemaligen deutschen Kolonialgebieten (aha!) abzutauchen.

Im Spätherbst erreichten die ersten dieser königlichen Kolonialpinguine die Wälder von Giardino delle Cavalle, einem etwas größeren Ort unweit von Monte Leone, wo sie beschlossen, ihren Winterschlaf abzuhalten. Als die Fettvorräte im fortschreitenden Frühling zur Neige gingen, waren sie über die Äste der Bäume verärgert, deren Schatten den Sonnenbrand ihrer Felle durchstreiften.

Nur ein Einziger erkannte beim Blick auf die sich spiegelnde Wasseroberfläche die Perspektive der neuen Optik und konnte sich durch einen lukrativen Werbevertrag nicht nur über mehrere Jahre, sondern auch über Wasser halten.

Roman Kurz

Zurück



Letzte Aktualisierung: 08.09.2010 14:54:03 Uhr